Chatbot
Ein Chatbot ist eine Oberfläche, über die Menschen in Gesprächsform mit einem System sprechen. Was er leistet, hängt weniger am Sprachmodell als an seiner Anbindung.
Ein Chatbot ist eine Oberfläche, über die Menschen in Gesprächsform mit einem System sprechen. Der Begriff sagt nichts über die Technik dahinter und nichts über die Qualität. Er beschreibt die Form der Interaktion, nicht die Fähigkeit.
Welche Arten von Chatbots gibt es?
Drei Generationen laufen heute parallel, und das erklärt die meisten Missverständnisse.
Regelbasiert: Ein Entscheidungsbaum mit Schaltflächen. Verlässlich innerhalb seiner Pfade, hilflos außerhalb. Diese Bots stehen hinter der verbreiteten Erfahrung, dass Chatbots nichts können.
Absichtsbasiert: Trainierte Kategorien mit vorformulierten Antworten. Erkennt bekannte Anliegen, scheitert an unbekannten, und braucht laufende Pflege der Kategorien.
Modellbasiert: Ein Large Language Model formuliert die Antwort frei. Sprachlich deutlich besser, aber ohne Anbindung an eure Daten auch deutlich freier bei den Fakten.
Was einen Chatbot nützlich macht
Nicht das Modell, sondern der Zugriff. Ein Bot, der den Bestellstatus kennt, ist nützlich. Einer, der auf Fragen zum Bestellstatus höflich allgemein antwortet, ist ärgerlicher als keiner.
Nützlich ist deshalb die Kombination aus drei Dingen. Wissen aus euren Dokumenten, angebunden über RAG, damit Antworten belegbar sind. Zugriff auf Systeme, wo Auskünfte fallbezogen sein müssen. Und ein Weg zum Menschen, der früh greift statt als letzte Sackgasse.
Der Übergabepunkt entscheidet über die Wahrnehmung. Ein Bot, der bei Unsicherheit zügig weiterleitet, wird als hilfreich erlebt. Einer, der um jeden Preis selbst antwortet, produziert die Erfahrung, die den Begriff belastet.
Chatbot oder Agent?
Die Begriffe werden vermischt, auch von Anbietern. Ein Chatbot antwortet innerhalb eines Gesprächs. Ein KI-Agent erledigt eine Aufgabe, häufig ohne Chat und ausgelöst durch ein Ereignis wie eine eingehende E-Mail, und hinterlässt ein Ergebnis in einem System.
Für die Praxis heißt das: Wenn Menschen fragen und lesen wollen, braucht es eine Chat-Oberfläche. Wenn Arbeit erledigt werden soll, braucht es einen Agenten, und die Oberfläche ist dann Nebensache.
Wer nach einer enttäuschenden Chatbot-Einführung skeptisch ist, hat meist die richtige Erfahrung gemacht und daraus die falsche Regel abgeleitet. Gescheitert ist selten die Sprachfähigkeit, sondern fast immer der fehlende Zugriff auf die Systeme, in denen die Antwort steht.
Ein brauchbarer und ein unbrauchbarer Zuschnitt
Der Unterschied lässt sich an einem Beispiel zeigen.
Unbrauchbar: „Ein Chatbot für unsere Website, der Kundenfragen beantwortet." Der Umfang ist unbegrenzt, die Erfolgsdefinition fehlt, und die Bewertung endet in Geschmacksfragen. Solche Vorhaben werden fast immer als Enttäuschung erinnert, weil niemand vorher gesagt hat, was gut genug wäre.
Brauchbar: „Ein Assistent im Kundenportal, der Fragen zu Lieferstatus, Rechnungen und Öffnungszeiten beantwortet, dafür auf das Bestellsystem zugreift und alles andere an das Serviceteam übergibt." Der Umfang ist benannt, der Zugriff ist geklärt, die Übergabe ist Teil der Anforderung, und der Erfolg lässt sich zählen.
Aus dem zweiten Zuschnitt folgt außerdem eine ehrliche Messgröße: der Anteil der Gespräche, die ohne Übergabe abgeschlossen wurden, zusammen mit der Zufriedenheit in genau diesen Gesprächen. Beides einzeln lässt sich schönrechnen, beides zusammen nicht.
Praktisch ist dieser Zuschnitt derselbe wie bei einem KI-Pilotprojekt: ein Vorgang, ein Zugriff, eine Zahl.
Verwandte Begriffe
KI-Agent
Ein KI-Agent zerlegt ein Ziel selbstständig in Arbeitsschritte, benutzt dafür Werkzeuge wie Datenbanken oder Postfächer und übergibt an einen Menschen, sobald seine Zuständigkeit endet.
EU AI Act
Der EU AI Act ist die europäische KI-Verordnung. Sie sortiert KI-Systeme nach Risiko und knüpft daran Pflichten, von Transparenz bis zu dokumentierter menschlicher Aufsicht.
KI-Pilotprojekt
Ein KI-Pilotprojekt prüft an einem echten Vorgang, ob eine KI-Anwendung im Betrieb trägt. Es endet mit einer Entscheidung, nicht mit einer Vorführung.